2. März 2022

Swiss Paralympic nimmt den Entscheid, russische und belarussische Athlet*innen unter bestimmten Auflagen an den Winterspielen in Peking zuzulassen und die vorgebrachten Argumente mit grossem Bedauern und Unverständnis zur Kenntnis. Dass rechtliche Überlegungen vor moralische und politische Argumente gestellt wurden, ist für die Glaubwürdigkeit der paralympischen Bewegung eine grosse Hypothek.

Die vor Ort im Einsatz stehenden Verantwortlichen von Swiss Paralympic haben gestern im Vorfeld der heutigen IPC-Sitzung ihre Haltung in einer Online-Konferenz mit Stiftungsrat und Athletenvertretern ausgiebig besprochen. Unter Abwägung aller Aspekte ist Swiss Paralympic zum klaren Schluss gekommen, dass ein Ausschluss der russischen und belarussischen Athleten der einzige Weg sein kann, um gegenüber der Öffentlichkeit, den Athletinnen und Athleten der teilnehmenden Länder und insbesondere auch gegenüber der heute vor Ort eingetroffenen Delegation der Ukraine glaubwürdig zu bleiben. Swiss Paralympic hat diese Haltung gestern gegenüber dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des IPC zum Ausdruck gebracht, im Einklang mit vielen anderen Nationen.

Im Anschluss an die Bekanntgabe des IPC-Entscheides wurden die heutigen Entscheide in einer weiteren Videokonferenz analysiert und bewertet. Swiss Paralympic nimmt mit grossem Befremden zur Kenntnis, dass die aktuellen Rechtsgrundlagen des IPC offenbar nicht ausreichen, um einen konsequenten Ausschluss russischer und belarussischer Delegationen zu legitimieren. René Will, Präsident des Stiftungsrats von Swiss Paralympic: „Es ist befremdlich, eigentlich traurig, dass das IPC es nach den russischen Dopingvorfällen an den Olympischen und Paralympischen Spielen von Sotschi 2014 und der zeitgleich zu erduldenden Invasion der Krim verpasst hat, seine Rechtsgrundlagen auf solche Vorkommnisse zu überprüfen und anzupassen. Swiss Paralympic ist entsetzt und konsterniert, dass dies offenbar dazu führen konnte, dass ein konsequenter Ausschluss nun zu existenzgefährdenden Klagen gegen das IPC führen könnte“. Nun ist für Ende 2022 eilig eine Mitgliederversammlung angesetzt, die diese Mankos beheben soll. Das komme schlicht zu spät, sagt René Will.

Die Verantwortlichen von Swiss Paralympic finden es unerträglich, dass wir als Teil der paralympischen Bewegung nun diese Situation gegenüber unserer Delegation und der weiteren Öffentlichkeit in der Schweiz mittragen müssen. „Dies wird wohl zu einem Glaubwürdigkeitsproblem führen, das unsere Bewegung nicht verdient hat“, sagt der Präsident von Swiss Paralympic. Dass das IPC selbstverschuldet in diese missliche Situation geraten ist, sei aus seiner Sicht eigentlich unverzeihlich.

Die Verantwortlichen vor Ort haben nun die nicht einfache Aufgabe, zusätzlich zu den schon durch Covid verursachten erschwerten Bedingungen auch noch diese Situation zu meistern und die Ruhe und Konzentration im Team aufrecht zu erhalten. „Unsere Athletinnen und Athleten haben sich vier Jahre auf diese Spiele vorbereitet. Dass Russland – nach der Krim-Invasion 2014 – nun schon zum zweiten Mal den olympischen und paralympischen Frieden stört, ist schlicht verwerflich, von der ganzen menschlichen Tragödie in der Ukraine gar nicht zu sprechen. Die paralympischen Sportler werden damit wohl auch ihrer verdienten Medien-Aufmerksamkeit grösstenteils beraubt und dunkle Wolken werden die Erinnerungen an die Spiele trüben, die eigentlich ein ‚Highlight‘ in der Karriere der Parasportler*innen werden sollten“, so der Präsident von Swiss Paralympic.

 

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