4. Februar 2021

In einem Jahr soll das Feuer an den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Peking entfacht werden. Die Corona-Pandemie erschwert zwar die Vorbereitungen für die Para-Athlet*innen, doch ihre Medaillenchancen sind intakt.

Insgesamt können ungefähr 14 Schweizer Para-Athlet*innen mit einer Teilnahme an den 13. Winter Paralympics rechnen – Peking ist die erste Stadt, in der in einem Abstand von 14 Jahren nach den Sommer- auch die Winterspiele stattfinden. Die Veranstalter nutzen diese Synergien, indem Stadien umgenutzt werden. In China werden voraussichtlich die Para-Ski-Alpin-Fahrer die grösste Athletengruppe stellen. Und bei ihnen sieht Roger Getzmann, Chef de Mission in Peking für Swiss Paralympic, auch das grösste Medaillenpotenzial.

Unter ihnen ist der 24-jährige Théo Gmür. Ihm gelangen bei den Paralympischen Spielen in Südkorea 2018 gleich drei Goldmedaillen. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen an den jungen Walliser (siehe Video unten). Für Swiss Paralympic waren es die einzigen Medaillen in Pyeongchang. 2022 hänge es auch vom Wettkampfglück ab, ob es wieder zu Edelmetall für die Schweiz reiche, so Getzmann. Gerade beim Curling sei die Leistungsspitze sehr dicht. In diesem Sport werden voraussichtlich fünf Schweizer Athlet*innen mit von der Partie sein. Beim Langlauf und Snowboard ist jeweils ein Athlet bzw. Athletin vertreten.

Wer schlussendlich nach Peking fahren kann, hängt in der Corona-Pandemie nicht nur von den effektiven Leistungen ab. Es gibt derzeit Unsicherheiten, was die Qualifikation für Peking anbelangt, weil viele Wettkämpfe abgesagt werden mussten.

Dazu gehören unter anderem die World Snow Sports Championships in Lillehammer, die Ski Alpin-, Ski Nordisch- und Snowboard-WM, die am 4. Februar in Lillehammer hätte beginnen sollen. Die WM wurde auf Januar 2022 verschoben. Qualifizieren müssten sich die Winterathlet*innen nach den aktuellen Richtlinien allerdings bereits in dieser Saison.

Kein Testevent

Zudem können die Athlet*innen nicht im gleichen Masse Wettkampferfahrung sammeln, wie das normalerweise bei der Vorbereitung auf Paralympics der Fall wäre. Auch das Testevent im März 2021 in Peking musste abgesagt werden. Es fehlen also wertvolle Eindrücke vor Ort – «für mich ist das beunruhigend», sagt Ski-Star Théo Gmür. Die einzige Gewissheit in diesen unsicheren Zeiten ist, dass die widrigen Bedingungen für alle gleich sind:

« Alle Athlet*innen müssen damit umgehen können», so Roger Getzmann -  Selektionskonzepte würden in Anbetracht der Lage erst am Ende des Winters definiert.

Wintersportort und Millionenmetropole zugleich

"Für uns als kleine Delegation ist es eine besondere Herausforderung, auf drei Standorte verteilt zu sein", sagt der Chef de Mission. Besonders ist bei den Winterspielen 2022, dass die Wettkampfstätten in Yanqing und Zhangjiakou 100 beziehungsweise 200 Kilometer von der chinesischen Hauptstadt entfernt liegen.

In Yanqing werden die Ski-Alpin-Läufe ausgetragen. Sie dient zugleich als Hauptstandort für Swiss Paralympic. Nach Zhangjiakou, einer Stadt mit über vier Millionen Einwohnern, müssen die Fans reisen, um Snowboard- und Ski-Nordisch-Wettbewerbe zu sehen. Eine grosse Challenge für die Athlet*innen werden die klimatischen Verhältnisse vor Ort sein: Laut dem Chief Medical Officer von Swiss Olympic, Patrik Noack,  sind sowohl mit tiefen Minustemperaturen zu rechnen, wie in Pyeongchang, aber auch mit milden Temperaturen wie in Sotschi. Dementsprechend müssten sich die Sportler*innen anpassen. Problematisch könne auch die Luftqualität sein –  für die Sommerspiele 2008 in Peking seien Fabriken geschlossen und der Verkehr gedrosselt worden, um die Feinstaubbelastung zu senken, so Noack. Gerade für Asthmatiker könne das von Bedeutung sein.

Goldmedaillengewinner Théo Gmür im Interview:

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