19. November 2019

Die Paralympics in Tokio werden für die Athletinnen und Athleten des Swiss Paralympic Teams DAS grosse Highlight ihrer Karriere. In rund 10 Monaten werden die Spiele eröffnet und bis dahin bereiten sich die potenziellen Teilnehmenden akribisch auf ihre Wettkämpfe vor. Die Wintermonate sind besonders geeignet, um Tests in diversen Bereichen vorzunehmen. Ein Aspekt, der vor allem für die Outdoorsportarten wichtig sein wird, ist das Klima. Im Sommer 2020 werden die Sporttreibenden in Tokio heisse Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit antreffen. Eine Kombination, die wir in der Schweiz nicht kennen und die das Sporttreiben ziemlich erschwert.

Erster Eindruck in der Hitzekammer

Deshalb haben sich eine Para Cycling Athletin und zwei Para Cycling Athleten an zwei Tagen auf den Weg nach Grenchen gemacht. Dort wurde in einem Raum im Velodrome eine Hitzekammer eingerichtet. In dieser können die klimatischen Bedingungen von Tokio simuliert werden und ermöglicht den Beteiligten so einen ersten Eindruck davon zu gewinnen, was in Tokio auf sie zukommen könnte. Wissenschaftlich begleitet wurden diese beiden Tage durch die Sportmedizin des Paraplegikerzentrums in Nottwil. Dort werden die Ergebnisse ausgewertet und weitere Schritte geplant. Deshalb musste rund sechs Stunden vor dem Aufenthalt in der Hitzekammer eine Kapsel geschluckt werden, welche die Körperkerntemperatur misst.

Der Ablauf der Tests lief an beiden Tagen nach demselben Schema ab. Die Athletin und die Athleten sassen zuerst 30 Minuten ruhig in ihren Rollstühlen in der Hitzekammer, bei knapp 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. Danach transferierten sie in ihre Handbikes und wärmten sich auf. Richtig zur Sache ging es erst im nächsten Schritt. Es galt, ein 30-minütiges Zeitfahren zu absolvieren. Diese äusserst intensive Belastung brachte alle an ihre Grenzen. «Das Zeitfahren war von Beginn weg sehr hart, doch in der zweiten Hälfte hatte ich richtig heiss und konnte meine Leistung nur mit Mühe konstant halten», berichtet die schweissgebadete Sandra Stöckli nach dem Test. Anhand einer Skala von 1 - 4 musste das subjektive Wärmegefühl angegeben werden. Dieses lag zum Schluss bei allen bei 4.

Kühlung

Nach einem Tag Pause zur Erholung trafen sich Sandra Stöckli, Alain Tuor und Tobias Fankhauser wieder in Grenchen für den zweiten Teil des Tests. In diesem zogen sie sich für den ersten Teil des Aufenthalts in der Hitzekammer eine Kühlweste an, um den Körper vor der Belastung vor zu kühlen. Zudem wurden «Eis Slurry» zum Trinken gereicht, ein in gemahlenem Eis aufgelöstes Sportgetränk. Nach 30 Minuten wurden die Kühlwesten abgelegt und das Programm im Handbike wieder absolviert. Bei allen war das subjektive Hitzeempfinden angenehmer. Alain Tuor erreichte auf der Temperaturskala sogar «nur» eine 3 (von 4). «Durch die Kühlweste und die eisigen Getränke hatte ich glücklicherweise nie so heiss wie vorgestern» fügt Alain an.

«Wenn das Klima wirklich so extrem sein wird wie in der Hitzekammer, werden die Rennen nochmals härter», überlegt sich Tobias Fankhauser. «Die ersten Resultate zeigten uns, dass das Precooling in der Tendenz zu einer Leistungssteigerung geführt hat» resümiert Fabian Grossmann von der Sportmedizin in Nottwil.

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