Tokyo 2020 DE 5. September 2021

Die Paralympics Tokyo 2020 enden mit den Medaillen Nummer 13 und 14 für das Schweizer Team. Marcel Hug wiederholt seinen Sieg im Marathon von Rio 2016. Er holt im vierten Rennen die vierte Goldmedaille und ist der erfolgreichste Athlet der Spiele. Manuela Schär verpasst ihr drittes Gold um eine Sekunde, aber sie ist nach ihrer dritten Silbermedaille neben zwei weiteren Goldmedaillen überglücklich. Wie Hug bei den Männer ist sie bei den Frauen die herausragende Athletin in Tokio.

Marcel Hug setzt sich rasch mit dem Chinesen Zhang Yong ab, kann ihn aber erst kurz vor dem Ziel entscheidend distanzieren. Und muss dabei bange Momente überstehen, weil sich schon nach 7 Kilometern der Gummi beim Antrieb am linken Rad löst. “Das war extrem schwierig”, sagt er, “vor allem mental.” Er habe sich nicht mehr richtig getraut zu attackieren, als er dann realisiert, dass Zhang am letzten Anstieg vor dem Ziel nicht mehr mithalten kann, macht sich grosse Erleichterung bei ihm breit. Er fährt den Vorsprung sicher zum vierten Sieg bei den Paralympics in Tokio, aber die tiefe Erschöpfung nach dieser Ausnahmeleistung ist ihm anzusehen. Er fühle sich sehr glücklich, sagt er, “aber so richtig realisieren, was hier passiert ist, das kann ich noch nicht”. Hug wird die Saison zu Ende fahren, sich dann Gedanken machen, wie es weitergeht. Ob er 2024 in Paris nochmals dabei sein wird, das lässt er offen.

Wie Hug muss Manuela Schär mit schwierigen Momenten umgehen in ihrem Marathon-Rennen. Bei ihr ist es eine Ungewissheit bei der Wahl des Equipments, das Wetter ist unsicher, vor dem Start habe der Grip nicht funktioniert, “ich musste im letzten Moment noch Anpassungen vornehmen”, sagt sie. Doch nach dem Start kommt das gute Gefühl schnell, sie muss in der Taktik etwas umstellen, weil bei ihren Attacken nur die Australierin Madison de Rozario mitgeht. Die beiden führen die Gruppe an die zeitweise deutlich mehr als eine Minute enteilte Susannah Scaroni (USA) heran, kurz vor der Einfahrt ins Stadion kann sich Madison de Rozario (AUS) absetzen, Schär verkürzt nochmals energisch, am Ende fehlt eine Sekunde. Aber sie ist überglücklich über diesen Abschluss von aussergewöhnlichen Spielen, mit denen sie den Frust von Rio 2016, wo sie ohne Medaille geblieben ist, endgültig überwunden hat. Jetzt ist sie froh, dass alles vorüber ist, sie freut sich aufs Nachhausekommen, um mit den Liebsten all die Emotionen teilen zu können.

Patricia Eachus wird zum Abschluss gute 9. im Marathon. Nach einigen Enttäuschungen ist sie mit ihrer persönlichen Bestzeit (1:47,06) sehr zufrieden, es sei ein versöhnlicher Abschluss, so lasse es sich besser nach vorne schauen.

Im Badminton belegten Cynthia Mathez und Karin Suter-Erath im Doppel den 4. Rang. Das war das angestrebte Ziel für Tokio, die ersten drei Teams sind im Normalfall überlegen. Aber wie schon im Halbfinal zeigen die Schweizerinnen gegen Sujirat Pookkham und Annouy Wetwithan eine starke Leistung, setzen die Thailänderinnen immer wieder unter Druck, liegen im zweiten Satz bei der Hälfte sogar in Front. “Wir können stolz sein”, sagt Mathez, und Suter-Erath ergänzt: “Wir haben alles gegeben, aber die Gegnerinnen waren wie eine Wand, sie brachten alles zurück.” Somit reisen Mathez und Suter-Erath mit besten Erinnerungen von diesen Paralympics, an denen Badminton erstmals überhaupt im Programm war, nach Hause.

Foto: Keystone-SDA/Ennio Leanza
Text: Christian Andiel

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