13. August 2018

Mit sieben Frauen und fünf Männern reist das Swiss Paralympic-Team an die Leichtathletik-EM in die deutsche Hauptstadt Berlin (20. bis 26. August). Marcel Hug (Nottwil) und Manuela Schär (Kriens) gehören bei jedem ihrer Starts zu den Titel-Anwärtern.

Vor zwei Jahren in Grosseto (ITA) verzichteten die Leader Marcel Hug und Manuela Schär vor den Paralympics in Rio auf die EM-Teilnahme. In Berlin rollen die Aushängeschilder der Behindertensport-Szene wieder vorne weg. Der achtfache Europameister Marcel Hug startet dreimal (5000 m/1500 m/800 m), die sechsfache Titelträgerin Manuela Schär über 5000 m und 1500 m. Sie verzichtet als Vizeweltmeisterin auf einen Start über 800 m. „Ich konzentriere mich neben der EM auf den Berlin-Marathon am 16. September“, erklärt die 34jährige Luzernerin. Statt drei Tage auf den 800 m-Einsatz zu warten, reist die neue Weltrekordhalterin über 5000 m vorzeitig zurück und trainiert in Nottwil. „Silver Bullet“ Marcel Hug lässt seinerseits die 400 m aus.

Aufgrund ihrer (Welt)Klasse darf davon ausgegangen werden, dass Hug/Schär in jedem der fünf Rennen einen Podestplatz herausfahren. „Insgesamt rechne ich mit zehn Medaillen“, sagt Teamchef Andreas Heiniger. 2016 waren es deren sieben. Von den damals erfolgreichen Athletinnen und Athleten gehören die beiden „Rollis“ Beat Bösch (Gold/Silber) und Alexandra Helbling (zweimal Bronze), der für den LC Zürich startende sehbehinderte Sprinter Philipp Handler (Bronze) und Abassia Rahmani (Bronze) erneut zum Aufgebot. „Ihnen traue ich“, so Heiniger, „wiederum Spitzenplätze zu. Bojan Mitic könnte ebenfalls für einen Exploit sorgen.“ Zudem gewann Patricia Eachus-Keller (Büron) 2012 Gold und zwei Jahre später Bronze. Sie startet in der gleichen Klasse wie Schär/Helbling (T54).

Algerien und Sri Lanka 

Die doppelt unterschenkelamputierte Sprinterin Abassia Rahmani (Winterthur) und ihre Rollstuhl-Kollegin Alexandra Helbling (Nottwil) haben sich seit 2016 in der internationalen Spitze etabliert. Selbst ein Titelgewinn scheint nun möglich. Der Unterschied zwischen den beiden Sportlerinnen: Die stehende Abassia Rahmani, deren Vater aus Algerien stammt, erhält zwei Chancen auf Edelmetall (100 m/200 m), Alexandra Helbling deren sechs (von 100 m bis 5000 m). Einzig an einem der sieben Wettkampftage wird die in Sri Lanka geborene, im St. Galler Rheintal aufgewachsene zweifache Paralympics-Teilnehmerin pausieren.

„Erfahrungen sammeln“ heisst es im 10‘000 m Zuschauer fassenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark Berlin für ein Quintett. Der 2014 bei einem Doppelsalto verunfallte Kunstturner Fabian Blum (Pfaffnau) hat bei seiner ersten EM-Teilnahme mit dem ebenfalls beim Turnen (Mini-Trampolin) gestürzten Beat Bösch (Nottwil) einen erfahrenen Lehrmeister (vierfacher Europameister) an seiner Seite. Tanja Henseler (Sempach) und Anita Scherrer (Aegerten) waren Junioren-Weltmeisterinnen, die 17jährige oberschenkelamputierte Sofia Gonzalez (Jongny) betreibt erst seit etwas mehr als einem Jahr intensiv Leichtathletik.

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