Paris 2024 DE 6. September 2024

An den Paralympics in Paris gewinnt Nora Meister die nächste Medaille fürs Schweizer Team. Die 21-jährige Schwimmerin holt sich über 400 m Crawl Silber.

Irgendwann am Freitag hat wohl das Telefon von Chantal Cavin
geklingelt. Die 46-jährige ehemalige Spitzenschwimmerin, die
dreimal an Paralympics teilgenommen hat, ist eine gute Freundin von
Nora Meister, und entsprechend hat sie immer ein offenes Ohr für
die Aargauerin. Auch vor einem Renneinsatz über 400 m Crawl an den
Paralympics von Paris, wenn die 21-Jährige schier platzt vor
Nervosität.

Denn Meister weiss - in ihrer Lieblingsdisziplin hat sie nicht nur
Medaillenchancen, sie will unbedingt eine Medaille gewinnen. Wie
2021, als sie sich in Tokio mit dem Gewinn der Bronzemedaille einen
Kindheitstraum erfüllen konnte.

Doch sobald die Lenzburgerin ins Becken der La Défense Arena im
Pariser Norden gesprungen ist, ist von dieser Nervosität nichts
sichtbar. Meister liefert sich zuerst ein Duell um ein paar
Zentimeter mit der Britin Maisie Summers-Newton, doch die
Schweizerin kann sich konstant auf Rang 2 halten. Bei der letzten
Wende, sagt Meister, habe sie gemerkt, dass es reichen könnte mit
Silber.

Näher an der Chinesin als gedacht

Am Ende erschwimmt sie sich eine Reserve von fünf Sekunden. Deren
vier verliert sie auf Goldmedaillengewinnerin Yuyan Jiang. Nur vier
Sekunden. Denn Meister hätte gedacht, dass die Chinesin, die
Meisters einstigen Weltrekord in dieser Disziplin in Tokio 2021 um
rund acht Sekunden gesenkt hatte, klarer davonziehen würde.

Doch das soll nicht heissen, dass die Aargauerin sich nun einen
Kopf darüber machen würde, nicht Gold geholt zu haben. Im
Gegenteil. "Ich wusste, dass ich das Potenzial habe, Silber zu
gewinnen. Ich bin überglücklich, dass das geklappt hat", sagt
Meister, die aber, so will es ihr Einsatzplan, jetzt nicht schon
ausgiebige Feierlichkeiten starten kann.

Am Samstagmorgen um 9.30 Uhr ist sie über 100 m Rücken im Einsatz.
Deshalb hat sie für eine Nacht ein Hotelzimmer gleich neben der
Arena gebucht. "Das Bett im Hotel ist viel bequemer als das im
Village, deshalb werde ich sicher gut schlafen", sagt sie. Und
deutlich weniger nervös werde sie am Start auch sein. Denn ihr
grosses Ziel hat sie schon erreicht.

 

Text: Simon Scheidegger

Foto: Ennio Leanza

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