Vom Sportevent für Kriegsveteranen zum Grossanlass für Spitzensportler

Als Vorreiter der Paralympics gelten die Stoke Mandeville Wheelchair Games (Rollstuhl-Spiele), die 1948 von Sir Ludwig Guttmann für verletzte Kriegsveteranen des 2. Weltkriegs ins Leben gerufen worden sind. Vier Jahre später nahmen niederländische Mitstreiter teil und legten so den Grundstein für eine internationale Bewegung.

Heute gehören die Sommer Paralympics zu den grössten internationalen Multisportveranstaltungen und gelten als die Grössten für Athleten mit einer Körper- oder Sehbehinderung.  Dabei steht jedoch nicht die Behinderung, sondern vielmehr die sportliche Leistung im Vordergrund. Die paralympische Bewegung hat seit ihren Anfängen drastisch an Grösse gewonnen. Waren es an den Sommer Paralympics 1960 in Rom 400 Athleten aus 23 Ländern, starteten 2012  in London 4‘452 Sportler aus 164 Nationen, 16 Nationen waren erstmals dabei. Dies ist bislang die grösste Athletenanzahl bei den Paralympics. Auch im Ticketing wurde mit 2.7 Million verkauften Tickets ein Rekord erzielt. Die Spiele wurden in über 100 Ländern und Gebieten übertragen. Der Rechtinhaber „Channel 4“ hat über 150 Stunden live Bericht erstattet.
Eröffnungsfeier London
Die Eröffnungszeremonie wurde von mehr als 11.2 Million TV-Zuschauern angesehen. Kumuliert haben die  Paralympics 39 Million TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer erreicht.

Spiele im olympischen Stil für Athleten mit einer Behinderung fanden erstmals 1960 in Rom statt. 1976 in Toronto öffneten sich die Spiele für weitere Behinderungsgruppen und es entstand die Idee, alle Behinderungsgrupppen zusammen zu nehmen und einen einzigen internationalen Sportanlass zu organisieren. Noch im selben Jahr fanden die ersten paralympischen Winterspiele in Schweden statt. Früher sprach man von „Weltspielen der Gelähmten“, „Olympiade für Behinderte“ oder „Weltspielen der Behinderten“ und seit 1988 in Seoul wird offiziell der Name Paralympics  verwendet.

Der Begriff „Paralympics“ wurde zunächst  aus der Zusammensetzung der Wörter „Paraplegic“ (engl. gelähmt) und „Olympic“ geschaffen. Um die Zugehörigkeit von Menschen mit anderen Behinderungsarten zu repräsentieren, wurde der Begriff neu definiert. Das Wort „Paralympic“ stammt aus den griechischen Worten „Para“ (neben) und „Olympics“, damit werden die Spiele neben den Olympischen Spielen ausgedrückt.

Rome Paralympics

Die Paralympics finden immer im selben Jahr wie die olympischen Spiele statt. Seit den Sommerspielen 1988 in Seoul und den Winterspielen 1992 in Albertville finden sie zudem an den gleichen Austragungsorten statt. In einem, am 19. Juni 1991 geschlossenen Abkommen, zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem International Paralympic Committee (IPC), wurde diese Praxis für alle Spiele ab den Sommer-Paralympics 1992 festgeschrieben. 2001 wurde eine weiterführende Vereinbarung unterzeichnet, dank welcher die Synergien auf allen Ebenen und speziell im sporttechnischen Bereich sinnvoll genutzt werden. In Turin 2006 wurden für die Paralympics erstmals die Aufwendungen für Unterkunft, Verpflegung und Grundtransport vom Organisator getragen. Ab 2008 kam eine Teilrückerstattung der Reisekosten dazu, was eine Gleichstellung mit den Olympischen Spielen bedeutete. Seit der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 müssen Städte in ihren Bewerbungen auch die Ausrichtung der Paralympics miteinbeziehen, welche dann vom selben lokalen Organisationskomitee wie die Olympischen Spiele koordiniert werden. Die Paralympics beginnen entsprechend dieser Vereinbarung immer spätestens drei Wochen nach Ende der Olympischen Spiele.