| 22.09.2004 |
| Cocktail |
| Das Interesse der Medien an den Schweizer Athleten in Athen ist erfreulich gross und es geht auch nicht immer nur darum, den Zuhausegebliebenen via Radio, TV oder Zeitungen zu berichten, was sich in den Stadien abspielt. Bruno Loher und Stefan Roesch von SF DRS beispielsweise benützten einen relativ ruhigen Tag, um die Rollstuhltennis-Spieler im Olympiadorf im "privaten" Umfeld zu filmen. Heinz Frei anderseits wurde von Mitarbeitern des Ersten Deutschen Fernsehens vor die Kamera gebeten. Gefragt ist der Solothurner zudem bei Journalisten aus Japan, wo Frei dank seiner Siegesserie im Marathon von Oita einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Von Rollstuhlfahrern aus China hörte und sah man bis dahin wenig oder nichts. Das dürfte sich spätestens in vier Jahren, bei den Paralympics 2008 in Peking, ändern. Einen Hinweis darauf gabs in der Männerstaffel über 4x400m, in der das chinesische Quartett im Vorlauf einen neuen Weltrekord erzielte. Zwar konnte dieser, wegen nachträglicher Disqualifikation, nicht anerkannt werden. Ihr Potenzial aber haben die Chinesen - in ihrem Land gibt es 60 Millionen Menschen mit Körperbehinderung - dennoch mehr als angedeutet Zu den ersten Gratulanten von Urs Kolly, der mit Frau und drei Kindern in Tafers zuhause ist, gehörte ein anderer prominenter Freiburger: Bundespräsident Joseph Deiss. Er rief den Golmedaillen-Gewinner im Laufe des Abends aus New York an, um ihm seine Glückwünsche persönlich zu übermitteln. Wie muss ein Fünfkampf sein? Spannend bis zur letzten Disziplin, wenn es nach Goldgewinner Urs Kolly geht. "Vor dem 400m-Start glaubte ich, 80 Punkte Vorsprung zu haben, doch es waren lediglich 69. Also musste ich an die Grenzen gehen. Dabei hätte ich im Diskuswerfen alles klar machen können." Weiter stellte er fest: "Die Konkurrenz rückt näher, also mus ich noch mehr dafür tun, um an der Spitze bleiben zu können. Dies ist auch eine Erkenntnis von Athen. Andererseits hat der Titel einen ganz andern Stellenwert, weil bis zum Schluss alles offen war." Beat Bösch war über den 8. Platz im 400m-Rollstuhlrennen keineswegs enttäuscht. "Weil ich den Final mit der schlechtesten Zeit erreichte, blieb mir nichts anderes übrig, als volles Risiko zu gehen. Ich hoffte, nach einem Blitzstart vorne mitrollen zu können, doch bereits bei rund 250m trat die Übersäuerung ein. Mehr lag nicht drin. Die Medaillengewinner sind Zeiten gefahren, die ich in meiner Karriere noch nie erreicht habe." Edith Hunkeler blieb nach dem vierten Platz über 800 Meter realistisch: "Der dritte Rang wäre zwar schön gewesen, aber vom Leistungsvermögen her darf ich trotzdem zufrieden sein. Diese Disziplin war, so komisch das als Weltrekordhalterin tönen mag, meine schwächste. Ich kann mich nun voll auf die 1500m und den Marathon konzentrieren." Eher still, meist am Rande und häufig hinter Vorhängen an der Arbeit, ist das für die Physiotherapie zuständige Trio. Jan Esser, Katja Haefely und Andrea Irniger versorgen in Absprache mit dem Arzt kleine oder grössere Blessuren. Sie massieren und lockern müde, verspannte Glieder und betreuen die Athleten auch ausser Haus. Zu den schönsten Einsätzen gehören selbstverständlich jene bei einer Siegerehrung, auch wenn die damit verbundenen Dopingtests aller Medaillengewinner sich bisweilen lange hinziehen. Urs Huwyler, in Athen für die Sportinformation und Tageszeitungen schreibend, ist gelernter (schulischer) Heilpädagoge. Ausbildung und praktische Erfahrungen in diesem Metier kamen ihm nach dem 5'000m-Final der Frauen zustatten, als es darum ging, Sandra Graf wieder aufzurichten. Der in Mosnang (SG) - das Dorf erlangte gewisse Bekanntheit dank Skirennfahrerin Maria Anesini Walliser - wohnhafte ex-Faust- und Fussballer kümmerte sich aufmerksam um die masslos enttäuschte Rollstuhlfahrerin und sprach ihr in den Katakomben des Olympistadions frischen Mut für die kommenden Rennen zu. |