Paralympic Inside Stories

21.09.2004
Cocktail

Im Büro des Swiss Paralympic Team sind die ersten Gratulationen aus Bern eingetroffen. Sowohl Bundespräsident Joseph Deiss als auch Bundesrat Samuel Schmid, der Sportminister, liessen den Medaillengeinnern per Fax herzliche Glückwünsche ausrichten.

Wie eine Erlösung - und Entschädigung für die wegen einer Verletzung in letzter Minute verpassten Paralympics in Sydney - empfand Edith Hunkeler den Gewinn der Silbermedaille über 5000 Meter. "Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen. Während des Rennens wurde ich eingeschlossen und musste mich zurück fallen lassen. Dies war eine kritische Situation, doch sie wirkte sich nicht negativ aus. Die nächsten Rennen kann ich befreit und mit weniger Druck angehen. Endlich eine Paralympic-Medaille. WM- und EM-Podestplätze sind schön, aber Olympia ist wichtiger."

Untröstlich ob eines verhängnisvollen Missgeschicks war Sandra Graf: "Die Schraube an der Steuerung lockerte sich. Ich konnte die Linie weder in der Kurve noch auf der Geraden halten. Alles lief perfekt. Das darf einfach nicht passieren." Nun ja, vielleicht meldet sich demnächst ein erfahrener und findiger Rollstuhlmechaniker, der sich um wichtige Details kümmert, bzw. zu helfen weiss.

Zu den "Markenzeichen" von Marcel Hug gehören inzwischen ein silberner Helm und eine Sonnebrille, dien den schlaksigen Thurgauer mnachmal wie einen Raumfahrer aussehen lassen. Mit einem alten Modell wollte er bei den Paralympics nicht starten, weshalb er sich einen neuen Kopfschutz in gleicher Farbe erstand. Offensichtlich brachten ihm dieser - und die Startnummer 3 im Final - das bisschen Wettkampglück, das man für den Gewinn einer Medaille auch braucht. "Für mich war klar, dass ich mich auf Van Dyk und Jeannot konzentrieren muss. Die Taktik ist aufgegangen."


Manuela Schär, deren Eltern den grossen Erfolg ihrer Tochter vor Ort miterlebten, konnte es auch nach Siegerehrung und Dopingkontrolle noch kaum fassen: "An eine Medaille habe ich nie gedacht. Zuerst wollte ich mich für Athen qualifizieren und dann den Final erreichen. Nun bin ich Dritte. Unglaublich. Ich wusste nicht, ob ich die Nervosität unter Kontrolle bringe. Nun habe ich im Vorlauf den Schweizerrekord verbessert und bin im Final erneut unter 17 Sekunden geblieben."


Diskussionen am grünen Tisch sind derzeit in Mode. Wie schon beim 1500m-Halbfinal der Männer gab es auch nach dem 5000m-Rennen der Frauen einige, die das Ergebnis mittels Protest umkehren wollten. Hier wie dort hatten sich mehrere FahrerInnen infolge Kollisionen ihrer Chancen beraubt gesehen. Bisher allerdings ging die Jury - nach langen Debatten - auf die jeweiligen Forderungen nicht ein. Was nichts daran ändert, dass durch solche "Spielchen" der Fahrplan Veränderungen erfährt und die Athleten sich neu einstellen müssen.

Viel zu tun hat Teamarzt Simon Feldhaus derzeit (glücklicherweise) nicht und kann sich darum, wenn gefragt, auch um externe Patienten kümmern. So half er der Freundin des blinden Leichtathleten Lukas Hendry mit Medikamenten aus der Hausapotheke aus.

Ivan Renggli (37) beendete seine Einsätze im Velodrom mit dem 1000m-Zeitfahren. Für einen Platz unter den Top Ten reichte es zwar nicht, aber schnellster Entlebucher in Athen war der fröhliche Tessiner ganz bestimmt. Seine Wurzeln liegen ursprünglich im Gebiet des Napf, doch entstammt er einer Familie, die schon seit mehreren Generationen im Süden der Schweiz ansässig ist.

Grossveranstaltungen versprechen gute Geschäfte. Dementsprechend sind auch die Preise für gewisse Produkte und Dienstleistungen während der Paralympics. So kommt es vor, dass man für einen Espresso mittlerer Qualität vier Euro hinlegen muss. Viel dreister noch sind Transportunternehmer, wenn es um die Vermietung von rollstuhlgängigen Kleinbussen geht. Sie machen sich das knappe Angebot an solchen Fahrzeugen zunutzen und verlangen Tagessätze in Höhe von 1'500 Euro oder auch mehr. Richtiggehend gemolken wurde das deutsche Team, das für die Hin- und Rückfahrt zu einen Empfang (innert sechs Stunden) sechs Busse mietete und es erst nach langen Verhandlungen schaffte, den Pauschalpreis von 6'000 auf 4'000 Euro zu drücken... Auch nicht gerade bescheiden sind die Preise für Gäste im Restaurant des Paralympic Village. 23 Euro kostet der Gutschein für ein Essen ab Selbstbedienungsbuffet.