Quick Facts

  • Status

    Aktiv
  • Wohnort

    6264 Pfaffnau (LU)

  • Geburtsdatum

    07.08.1979

  • Beruf

    Fachfrau für med.-techn. Radiologie HF (MTRA HF)

  • Wettkampfklasse

    SH 2

  • Disziplin

    Luft- und Kleinkalibergewehr liegend und stehend

  • Behinderung

    Multiple Sklerose

Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) erhielt Nicole Häusler im Februar 2006. Diese Krankheit hindert sie aber nicht daran, aktiv zu sein und Leistungssport auf höchstem Niveau zu betreiben. Schon als Jugendliche war Nicole Häusler gerne aktiv und bestritt Juniorinnen-Radrennen auf der Strasse. Als ihr dies aufgrund ihrer beruflichen Erstausbildung zur Hochbauzeichnerin nicht mehr möglich war, ergänzte sie ihre Garage mit einem „Töff”, um die Gegend zu erkunden. Rund zwei Jahre nach der Diagnose MS musste sie das Motorradfahren wieder aufgeben, da sie vermehrt auf den Rollstuhl angewiesen war. Deshalb suchte sie nach einer neuen sportlichen Herausforderung und fand diese zuerst im Rollstuhlcurling. Ein MS Schub in ihrem rechten Arm hinderte sie ab 2012 daran, die Curling-Steine präzise zu spielen und so standen Häusler und die Sportberatung der Paraplegiker-Vereinigung vor der schwierigen Suche nach einer neuen Sportart. Im Sportschiessen wurde sie schlussendlich fündig.

Vom Eis in den Schiessstand

2013 erhielt sie ihr erstes Gewehr und bestritt vier Monate später die Schweizermeisterschaften, welche sie mit einem neuen Schweizerrekord sogleich gewann. Von nun an verlief ihre Karriere als Schützin auf der Überholspur. Vieles geschah schnell. Etwas zu schnell vielleicht. Noch heute sagt Häusler, dass ihr in einigen Bereichen des Schiesssports das tiefgreifende Fachwisse noch etwas fehle. Wie man aber präzise schiesst und erfolgreich Wettkämpfe bestreitet, lernte sie schnell.

Zu ihren ersten internationalen Wettkämpfen trat Nicole Häusler 2014 an. Ihre Wettkämpfe bestreitet sie sitzend in ihrem Rollstuhl. Das Gewehr ist auf einer Feder aufgestützt, da sie es mit ihrem rechten Arm nicht selbständig halten kann. Für das Laden und ausrichten ihres Sportgeräts und das Einstellen des Diopters ist sie auf die Hilfe eines Betreuers oder des Nationaltrainers angewiesen. Obwohl sie während ihres Wettkampfs immer im Rollstuhl sitzt, tritt sie in den Disziplinen Luftgewehr stehend (R4) und liegend (R5) sowie mit dem Kleinkaliber (R9) an. Bei den stehend und liegend Anschlägen unterscheidet sich jeweils die Haltung der Arme respektive die Ellbogenposition.

Erlebnis Rio

Die Qualifikation für die Paralympics in Rio 2016 verpasste Nicole Häusler vermeintlich um 0.1 Punkte. Trotzdem wurde sie nachselektioniert und konnte die Reise in die brasilianische Metropole mit der Schweizer Delegation antreten. Leider standen die Spiele für sie aber unter keinem guten Stern. Eine Entzündung des Sehnervs des rechten Auges (ihrem Visierauge), ausgelöst durch die MS, verschlechterte ihre Sicht beträchtlich und sie konnte ihr Potenzial nicht zeigen. Trotzdem reiste sie mit einigen tollen Erinnerungen zurück in die Schweiz.

Herausforderung MS

Infolge dieser Sehnerv-Entzündung war Nicole Häusler gezwungen, die Ziele fortan mit dem anderen, linken, Auge ins Visier zu nehmen. Diese Umstellung gelang ihr schnell. 2018 wurde dann ihr sportlich bislang erfolgreichstes Jahr. Mit dem Luftgewehr im stehenden Anschlag verpasste sie an der WM Cheongju (KOR) den Final der besten acht äusserst knapp und wurde Neunte. In ihrer Sportklasse SH2 treten Frauen und Männer gemeinsam an und als beste Frau in diesem Wettkampf konnte Nicole Häusler sich frühzeitig einen Quotenplatz für die Paralympics in Tokio sichern.

Angespornt von den guten Resultaten an der WM reiste die Radiologiefachfrau im selben Jahr optimistisch an die EM in Belgrad. Die Finalqualifikation war das erklärte Ziel, dieses konnte sie aber nicht erreichen und blieb mit Rang 13 unter den eigenen Erwartungen. Sie gewann aber weitere wichtige Erfahrungen in ihrer noch jungen Karriere als Schützin.

Die MS zwingt Nicole Häusler dazu, haushälterisch mit ihren Kräften umzugehen und gut auf ihren Körper zu hören. Da im Schiessen der mentale Aspekt äusserst wichtig ist, kann sie auch mit einem etwas tieferen Trainingsaufwand an der Weltspitze mithalten. Dennoch ist das Schiesstraining natürlich sehr wichtig und seit 2019 hat sie sogar eine eigene Schiessanlage für das Luftgewehr in ihrem Garten stehen, um die Abläufe noch besser automatisieren zu können. Neben dem Schiessen hält sie sich mit Ausflügen mit ihrem Handbike, Hypo- und Physiotherapie fit.